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Der Marstallflügel wird auf solide Füße gestellt

Im Schloss Herzberg geht es bei den Sanierungsarbeiten weiter zügig voran.

Das Spezialgerät ähnelt einer Miniraupe, sieht ein bisschen so aus, als könnte es in einem Star Wars-Film neben dem kleinen Roboter R2D2 herrattern. Etwas futuristisch wirken mit ihren metallischen Noppen auch die gleich danebenliegenden Bohrköpfe.

Einer der Bohrköpfe, die sich 12 Meter tief in den Grund des Marstallflügels hineinfräsen. Foto: Staatliches Baumanagement Südniedersachsen
Einer der Bohrköpfe, die sich 12 Meter tief in den Grund des Marstallflügels hineinfräsen. Foto: Staatliches Baumanagement Südniedersachsen

Seit über einem Jahr wird am und im Welfenschloss Herzberg kräftig gearbeitet. Vor allem im Uhrenturm und im Marstallflügel wird zurzeit mit Hochdruck gearbeitet. Im Marstall haben die Gründungsarbeiten begonnen. Dabei trifft modernste Technik auf mittelalterliches Gemäuer. Um das marode Gebäude zu stabilisieren und zu sanieren, werden bis zu zwölf Meter lange Pfähle in den Boden getrieben.

Eine freigelegte Fachwerkfassade vom Sieberflügel. In der Ecke Sieberflügel/Marstall gab es schon immer in der ersten Etage eine zurückgesetzte Fassade. Foto: Staatliches Baumanagement Südniedersachsen
Eine freigelegte Fachwerkfassade vom Sieberflügel. In der Ecke Sieberflügel/Marstall gab es schon immer in der ersten Etage eine zurückgesetzte Fassade. Foto: Staatliches Baumanagement Südniedersachsen

Die Mitarbeiter der Spezialfirma für die Bohrarbeiten haben inzwischen die ersten Pfähle installiert. Auf die Köpfe der Pfähle kommt später eine Stahlbetonplatte.Aber noch immer braucht man viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass hier bereits im nächsten Jahr die ersten Beschäftigten des Amtsgerichtes ihre Arbeit aufnehmen können.

„Zuerst sollen die Mitarbeiter aus dem Grauen Flügel umziehen“, erklärt Dipl.Ing. Ulrich Rütjerodt vom Staatlichen Baumanagement Südniedersachsen. „Im ehemaligen Theaterraum des Marstallflügels werden großzügige Büroräume entstehen, die mit Glaswänden aufgelockert und aufgewertet werden.“

Ein freigelegter Abortschacht an der Ecke Stammhausflügel/Grauer Flügel. Dieser wurde oberhalb des massiven Sockelgeschosses verschlossen. Foto: Staatliches Baumanagement Südniedersachsen
Ein freigelegter Abortschacht an der Ecke Stammhausflügel/Grauer Flügel. Dieser wurde oberhalb des massiven Sockelgeschosses verschlossen. Foto: Staatliches Baumanagement Südniedersachsen

Deshalb sind in den Obergeschossen bereits die Zimmerleute tätig, die neue Balken einziehen und teilweise mit den alten Balken verbinden. Denn alles, was noch stabil ist, soll erhalten bleiben.

Aber auch die neuen Balken sind nicht frisch aus großen Bäumen herausgesägt. Sie stammen zum Teil aus Frankreich, würden beim Abbruch von Landhäusern oder kleinen Domänen sorgsam herausgetrennt und neu aufgearbeitet. „So manche schöne alte Scheune aus Eichenholz musste in Frankreich dafür wohl abgerissen werden“, so Ulrich Rütjerodt.

Blick in die Höhe im Innern des Uhrenturms. In der Mitte ist das Geländer der Treppe zu sehen.
Blick in die Höhe im Innern des Uhrenturms. In der Mitte ist das Geländer der Treppe zu sehen.

Auch im Uhrenturm sind die Handwerker dabei, das Gebäude zu stabilisieren. Innerhalb der maroden äußeren Fachwerkkonstruktion werden neue Holzbalken eingezogen. Hier werden ebenfalls alte, noch verwendbare Holzbalken mit den neuen Balken verbunden. Das Treppenhaus im Turm wurde in den Untergeschossen teilweise abgebaut und in dem Keller gelagert.

Wenn die äußere Hülle des Turms stabilisiert ist, kann geprüft werden, inwieweit das Treppenhaus künftig noch genutzt werden kann. Der Turm sei zuletzt in den 90er Jahren restauriert worden, erklärt Ulrich Rütjerodt, allerdings nicht fach- und sachgerecht. „Alles nach dem Motto außen hui, innen pfui.“

Im Foto die Füße einer auf einem Sockel stehenden Holzfigur am Uhrenturm. Figur und Sockel sind aus einem Holzstamm geschnitzt. Foto: Förderverein Schloss Herzberg
Im Foto die Füße einer auf einem Sockel stehenden Holzfigur am Uhrenturm. Figur und Sockel sind aus einem Holzstamm geschnitzt. Foto: Förderverein Schloss Herzberg

Parallel dazu werden die Figuren an der Außenseite des Turms restauriert. Der Großteil der Figuren kann mit einer neuen Rückseite versehen und so gerettet werden. Andere Figuren müssen völlig neu erstellt werden. Dafür fertigt Christoph Jarzebski mit seinem Team einen Gipsabdruck an, mittels dessen dann die Figuren neu geschnitzt werden. Das kann pro Figur einige Wochen dauern, da der ursprüngliche Gesichtsausdruck exakt getroffen werden soll.

Sowohl im Marstallflügel als auch im Uhrenturm werden neben den neuen die alten Balken wenn möglich erhalten. Foto: Förderverein Schloss Herzberg
Sowohl im Marstallflügel als auch im Uhrenturm werden neben den neuen die alten Balken wenn möglich erhalten. Foto: Förderverein Schloss Herzberg

Während an den Turmseiten fast ausschließlich nur Köpfe installiert sind, sind an der Ecke des Turmes in Richtung Schlosshof komplette Holzfiguren auf hölzernen Podesten angebracht. Für den Laien ist es erstaunlich, dass diese Holzfiguren samt ihrem Sockel aus einem Holzbalken herausgeschnitzt wurden, wie Restaurator Christoph Jarzebski aus Kattowitz erklärt.

Im mächtigen Kellergewölbe unter dem Uhrenturm und dem Sieberflügel/Grauer Flügel ist die Heizungsanlage für das Amtsgericht installiert. Foto: Förderverein Schloss Herzberg
Im mächtigen Kellergewölbe unter dem Uhrenturm und dem Sieberflügel/Grauer Flügel ist die Heizungsanlage für das Amtsgericht installiert. Foto: Förderverein Schloss Herzberg

Die Kellerräume unter dem Schlossturm und der Ecke Sieberflügel/Grauer Flügel sind relativ gut erhalten. Hier ist auch die Heizungsanlage für das Amtsgericht untergebracht. Ansonsten sei aber keine weitere Nutzung angedacht, weiß Rütjerodt. Aber in den Untergeschossen tauchten schon einige Überraschungen auf. „Wir haben an jeder Ecke und Seite einen Abort gefunden“, so Ulrich Rütjerodt.

Auch die freigelegten Fachwerkfassaden vom Sieberflügel bargen die eine oder andere Überraschung. „In der Ecke Sieberflügel/Marstall gab es schon immer in der ersten Etage einen Rücksprung, also eine zurückgesetzte Fassade. Vermutlich wurde dieser in den 50er Jahren vermauert, sodass diese Fassadengestaltung zu diesem Zeitpunkt konserviert wurde“, erläutert Ulrich Rütjerodt.

 

Stadt Herzberg am Harz
erstellt am 06.12.2018



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